Gestatten – mein Name ist Tetzel …

… Johann Tetzel. Wenn Sie mit mir auf Anhieb nichts anfangen können – kein Problem. Normalerweise wäre ich im Jahr des Herrn 1519 aus dem Leben geschieden, und kein Hahn hätte nach mir gekräht. Tja, wenn damals nicht viel Staub aufgewirbelt worden wäre von einem Doktor Martinus Luther – dem Reformator, der die 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche gepinnt haben soll. Ob er das am 31. Oktober 1517 wirklich getan hat? Es gibt Zweifel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zweifelsfrei ist: Doktor Luther hat die Thesen verfasst. Und zwar, verzeihen Sie meine Unbescheidenheit, gegen mich, Johann Tetzel, geboren 1465 in Pirna, in einem stattlichen Haus in der heutigen Schmiedestraße, das meinem Vater, einem Goldschmied, gehörte. Bruder Martinus muss gegen mich, einen Dominikaner-Mönch, tiefen Groll gehegt haben.

Der Grund? Ich zog damals im Auftrag des Papstes und des Erzbischofs Albrecht von Magdeburg durch die Lande und verkaufte den Leuten die Vergebung all ihrer Sünden. Auch ihrer künftigen. Vom Fremdgehen bis zum Totschlag. Motto: „Wenn der Taler im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“

Ein tolles Geschäft war das, dieser Ablasshandel. Leider kam uns Bruder Martinus in die Quere, und dann, knapp zwei Jahre danach, mein Tod an der Pest in Leipzig. Tja, und nun wird 500 Jahre später der Reformation gedacht. In Wittenberg oder Erfurt oder Eisleben – überall, wo Luther seine Füße hingesetzt hat.

In Pirna, woher ich, sein Stein des Anstoßes, stamme, war er zwar nie, doch wie wäre es, wenn Sie ihre Reise in die Reformations-Geschichte abrundeten und auch hier Station machten!

Das Hotel „Belotto“, in der Altstadt gelegen, bietet Ihnen angenehme Unterkunft samt einem satten Frühstück. Und die Hotel-Chefin ist gern bereit, Ihnen eine Stadtführung samt Besuch meines Vaterhauses und der wunderbar restaurierten Stadtkirche zu organisieren.

Ihr Johann Tetzel